Purer Musikgenuss

Stadtmusik Endingen begeistert beim letzten Jahreskonzert unter Leitung von Martin Baumgartner.

ENDINGEN. Das letzte Jahreskonzert unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Martin Baumgartner fand vor vollem Haus statt und endete mit einem Beifall, den die vielen Besucher am Samstag in der Stadthalle anhaltend und stehend spendeten. "225" lautete der Titel: So viele Stücke hatten Dirigent und Stadtmusiker bei Jahreskonzerten in den 27 Jahren gemeinsam gespielt.

Der Abend in der Stadthalle begann aus besonderem Anlass etwas anders als gewohnt. Hans-Joachim Schwarz als Präsident der Stadtmusik war ebenso wie der Stadtmusikdirektor das letzte Mal bei einem Jahreskonzert im Einsatz. Die Vorsitzende der Stadtmusik, Simone Löffler, dankte am Anfang, damit die Musiker am Ende den Applaus genießen und die Stimmung mitnehmen konnten. Einen Grund gab es auch für die Programmwahl. Die Stücke, die Martin Baumgartner für das Jahreskonzert ausgesucht hatte, "wollte er immer schon mal mit uns spielen", sagte die Vorsitzende.

Die Stadtmusik und ihre Jugendkapelle gaben ein Konzert, das das Zuhören zum Genuss machte. Die Stadtmusik begann mit der Ouvertüre zu "Candide" von Leonard Bernstein. Sie fing stark mit kräftigem Klang an und meisterte dann die Hürden mit Rhythmus- und Stimmungswechseln, auch wenn ein erstes Stück eines Konzertabends immer noch vom Lampenfieber beeinflusst wird. Die "Thames Journey" war die Reise wert: Die Musiker nahmen die Gäste auf eine Fahrt über die Themse mit, mal beschaulich in ruhigem Dahingleiten, dann majestätisch und mit den Tönen von "Big Ben" bis zum großartigen Finale.

Die Stücke 221 und 222 waren der Jugendkapelle vorbehalten: Sie ist der hörbare Beleg für die erfolgreiche Jugendarbeit der Stadtmusik Endingen und ihres Stadtmusikdirektors. Das Spiel zwischen laut und leise beherrschen die jungen Musiker ebenso wie das Steigern von Tempo und Ausdruck. Und sie achten auf ihren Dirigenten: Sonst ginge es ja auch gar nicht, so einen Supertusch abzuliefern, wie es die Jugendkapelle am Ende von "In all it’s Glory" schaffte. Knall, Trommel und Chaos in der Musik und besondere Töne für einzelne Register prägten die Kurzfassung von "Herr der Ringe", Sinfonie Nr.1. Als Zugabe spielte die Jugendkapelle "Bolombolo", das Stück, das eigens für sie von Carlos Alber Cardenas Gonzales komponiert und 2017 von ihnen an der Musikhochschule Freiburg uraufgeführt wurde. Das Werk fördert sehr klare Töne fürs Blech und bringt Spannung mit lateinamerikanischen Rhythme.

Die Stadtmusik spielte sich nach der Pause von einem Highlight zum anderen. In "Magellans Reise zum unbekannten Kontinent" ging es unter der Leitung von Martin Baumgartner auf Entdeckungsreise, auch durch die Stimmenvielfalt des Orchesters. "A Jazz Funeral", ein Jazz-Begräbnis in New Orleans, übernahm die Rolle des "schrägen Stücks" im Programm, das laut einem Zitat von einem Stadtmusiker in jedem Konzert dabei sein muss. Bemerkenswert: Auf die bekannten Jazz-Klassiker à la New Orleans wurde im Stück verzichtet, die Stimmung war umso faszinierender.

Die fünf "Armenischen Tänze" hatten etwas für jeden Geschmack dabei: Tanz eins pendelte zwischen monumental bis sanft, orientalische Anklänge, fröhliche Volksmusik und eine musikalische Beschreibung der Bergwelt folgten. Im fünften Tanz wurde leicht und beschwingt Tempo gemacht.

Das Jahreskonzert endete aber nicht mit den Tänzen, auch wenn die Titel gebenden "225" erreicht waren. Die Stadtmusik gab als Dank für den großen Beifall zwei Zugaben. Die "kleine yiddishe Ragmusik" war so kurzweilig wie ein ganzer Abend im Varieté, "Redemption" von Rossano Galante ein passendes Ende für ein besonderes Jahreskonzert.

"So ein volles Haus – da kann Endingen sich glücklich schätzen", hatte Ansager Thomas Wagner zu Beginn des Konzertabends gesagt. Am Ende gab es noch eine Steigerung des schönen Anblicks, den die Musiker und ihr Dirigent von der Bühne herab auf die dichten Publikumsreihen genossen. Die Gäste bedankten sich mit standing ovations, bis alle der mehr als 80 Mitwirkenden der Stadtmusik Endingen die Bühne verlassen hatten.

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Artikel von Ilona Hüge aus der Badischen Zeitung vom 26. März 2018

 

 

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