Ein mitreißendes Finale

Stadtmusik Endingen verabschiedet ihren Stadtmusikdirektor Martin Baumgartner mit einem begeisternden Konzert.

ENDINGEN. Die Stadtmusik und Stadtmusikdirektor Martin Baumgartner haben am Samstagabend mit einem letzten gemeinsamen Konzert ihre fast drei Jahrzehnte lange Zusammenarbeit beendet. Zum "Finale" in der ausverkauften Stadthalle gab es Erinnerungen an eine erfolgreiche Zeit, musikalisch mit der Auswahl der Stücke und einer Uraufführung, persönlich in den Ansagen von verschiedenen Wegbegleitern des scheidenden Stadtmusikdirektors.

Das Abschiedskonzert war ein Erlebnis: Stadtmusikdirektor Martin Baumgartner und die Stadtmusik Endingen zeigten noch einmal, welche musikalische Leistung sie gemeinsam in den 28 Jahren der Zusammenarbeit erreicht haben. Es gab Würdigungen für den scheidenden Dirigenten, Überraschungen und Dankesworte zum Abschied. Die Stadtmusik erfüllte bei der Vorbereitung für den Abend auch den Wunsch Baumgartners: Die Reden waren kurz, beim Konzert zum Finale stand die Musik im Mittelpunkt.

Mit Renaissance-Tänzen hatte Martin Baumgartner sein Antrittskonzert gestaltet, und Renaissance-Tänze gab es auch zum Auftakt des Finales. Diesmal stammte die Musik von einem zeitgenössischen japanischen Musiker. Komponisten aus Japan sind seit der großen Japan-Reise der Stadtmusik häufig im Programm, erinnerte Thomas Wagner bei der Ansage an den gemeinsamen Aufenthalt in Fernost.

"1405: Der Brand von Bern" erhielt in der Ansage von Matthias Klipfel noch einen neuen Untertitel. Er beschrieb, "wie die Stadtmusik Feuer fing" und den Mann aus Oberbergen als Stadtmusikdirektor verpflichtete. Die Musik von Mario Bürki zeichnet den Tag des Infernos in Bern nach, mit Chaos und Ruhe. Die Stadtmusik unter Martin Baumgartner führte die Zuhörer mit Gespür für Spannung und Transparenz durchs musikalisch gewollte Durcheinander des Stücks.

Die Uraufführung sagte der Präsident der Stadtmusik an – Endingens Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz. Er ist wie der Stadtmusikdirektor am Ende seiner Amtszeit. Gemeinsam beschlossen sie, eine Auftragsarbeit für die Stadtmusik an den Komponisten Carlos Cardenas zu vergeben. Er verarbeitete drei bekannte Lieder aus Venezuela. "Recuerdos y Esperanzas" (Erinnerungen und Hoffnungen) soll an die Beziehungen zum Land und an die Venezuela-Reise der Stadtmusik Endingen erinnern. Durch alle Brüche und Taktwechsel führte die Stadtmusik ihre Zuhörer zu einem fröhlichen Finale in typisch lateinamerikanischer Weise.

Kilian Herold, der seine musikalischen Wurzeln bei der Stadtmusik Endingen hat, trat als Solist mit seiner Klarinette im "Concerto for Clarinet" von Artie Shaw auf. Für die Stadtmusik war es die Gelegenheit, sich als Meisterin der leisen Töne zu zeigen, in allen Registern bis hin zu den Schlagzeugern, und Kilian Herold, Professor an der Musikhochschule in Freiburg, begeisterte mit seinem Können in brillanten höchsten Tönen.

Feierlich-festlich wurde es mit Edward Elgars "Pomp and Circumstance No. 1", bei dem Natalie Henninger an den spontanen Auftritt der Stadtmusik bei ihrer Wahl zur deutschen Weinprinzessin erinnerte. Das Badner-Lied gab es damals zur Siegesfeier – laut und vor der Tür.

Anekdoten und Erinnerungen an 28 Jahre Zusammenarbeit

Franz-Josef Stocker sagte "Tirol 1809" an, ein Klassiker in der Musikauswahl für Oberstufen-Orchester. Endingens Stadtmusik und ihre Dirigent Martin Baumgartner machten deutlich, dass es ein wirklich spannendes Stück ist, das von ersten bis zum letzten Ton faszinieren kann. Spontanen Applaus gab es schon nach dem zweiten der drei Sätze – zu Recht, so mitreißend wie es klang.

Das letzte Stück sagten Anne und Ilka Baumgartner an. Die beiden Musikerinnen verrieten dabei auch augenzwinkernd, dass guter Probenbesuch die Basis für ein intaktes Familienleben schaffen konnte – im Haus des Stadtmusikdirektors. Das Konzert endete mit einem Hit mit dem Titel "Fnugg Blue". Maximilian Wagner-Shibata ist seit seinen Anfängen in der Stadtmusik zum virtuosen Tuba-Spieler geworden und lieferte mit seinem Auftritt Entertainment pur. Mit "Children of Sanchez" gab die Stadtmusik ihre erste Zugabe. Sie endete mit Glimmer, der auf Baumgartner und die rund 90 Aktiven der Stadtmusik rieselte, und "standing ovations" der ganzen Stadthalle.

"Die Stadt Endingen hat Ihnen unendlich viel zu verdanken und dankt", hatte der Präsident gesagt. Pfarrer Jürgen Schindler packte seinen Dank für die Zusammenarbeit in die Titel "Kunst, Kameradschaft und Kirche". Die Stadtmusik würdigte ihren musikalischen Leiter mit einem Buch, voll mit Erinnerungen und Bildern an die gemeinsame Zeit. Der Titel: "Ich griäg’s noch an dr Erbsä!"

"Ich danke", sagte Martin Baumgartner und dieser Dank ging vor allem an seine Musiker. "Ohne sie wäre jeder Dirigent sehr allein", sagte er, und dankte persönlich auch dafür, was die Musiker "in den 28 Jahren alles mitmachten". Für die zweite und unwiderruflich letzte Zugabe, den Marsch "Sissi", gab es noch einmal den Dank des Publikums mit "standing ovations".

2018 12 10 Ein mitreissendes Finale 02

Artikel von Ilona Hüge aus der Badischen Zeitung vom 10. Dezember 2018

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