Fabio Croce verlässt Endingen

Dirigent der Stadtmusik gibt Leitung nach nur einem Jahr zum Jahresende ab und übernimmt eine Oboenwerkstatt im Allgäu.

ENDINGEN. Die Stadtmusikprobe am Montagabend endete für die Musikerinnen und Musiker mit einem Paukenschlag: Fabio Croce teilte ihnen mit, dass er seine Dirigententätigkeit bei der Endinger Stadtmusik zum Jahresende niederlegen wird. Der Grund: Er wird im Allgäu eine Oboenwerkstatt übernehmen.

Für die Musiker bedeutet dies einen weiteren tiefen Einschnitt. "Es ist so, aber es ist richtig schade. Es hat eigentlich alles gepasst. Fabio Croce war für uns der perfekte Mann", betonte Orchestervorstand Stefan Wäldin gegenüber der BZ. Auch Bürgermeister Tobias Metz, Präsident der Stadtmusik, bedauerte die Entscheidung von Fabio Croce: "Wir werden nun mit dem Vorstand beraten, wie wir vorgehen, und müssen nach vorne blicken."

Fabio Croce hatte im vergangenen Jahr unter mehreren Bewerbern um das Dirigentenamt das Rennen gemacht und seitdem erfolgreich mit der Stadtmusik gearbeitet. Das Jahreskonzert im April war eindrucksvoller Beweis dafür.

Die Entscheidung, Endingen zu verlassen, um im Allgäu die Oboenwerkstatt zu übernehmen, sei ihm "sehr, sehr schwergefallen", erklärte Fabio Croce im BZ-Gespräch. Die berufliche Perspektive, die sich ihm mit der Übernahme der Oboenwerkstatt biete, sei für ihn von großer Bedeutung, gerade auch für seine berufliche Zukunft. Er werde zum Jahresende nicht mit einem lachenden und einem weinenden Auge, sondern mit zwei weinenden Augen von Endingen weggehen, versicherte Croce: "Es gibt nicht viele Orchester, die musikalisch und menschlich so ticken wie die Endinger Stadtmusik, und ich komme viel herum." Er sei menschlich in Endingen so fantastisch aufgenommen worden, noch nie habe er sich in so kurzer Zeit irgendwo so heimisch und dazugehörig gefühlt wie in Endingen. Der Dirigent stellt dem Endinger Orchester ein hervorragendes Zeugnis aus: Musikalisch gesehen sei er mit den Endinger Musikern auf dem Höhepunkt seiner Dirigentenlaufbahn. Dass sein Plan, die Oboenwerkstatt in Endingen anzusiedeln, nicht geklappt habe, bedauere er zutiefst. "So war es eigentlich eine gezwungene Entscheidung."

Für die Musikerinnen und Musiker wird es ebenfalls kein leichter Schritt sein, sich von Fabio Croce zu verabschieden. "Wir haben unheimlich viel bei ihm gelernt und es war einfach gut", resümierte Stefan Wäldin. Trotz allem werde man das verbleibende halbe Jahr weiter für intensive Probenarbeit nutzen, sowohl das Open-Air-Konzert als auch das Kirchenkonzert im Dezember werden noch mit Fabio Croce stattfinden.

Es sei nachzuvollziehen, dass die Übernahme der Werkstatt für den Dirigenten ein "großes Standbein" sei, dennoch sei die Stimmung momentan eher traurig. Niemand lasse ihn gerne ziehen, zumal er zu 100 Prozent der richtige Mann für die Stadtmusik gewesen sei.

Die Verantwortlichen wollen zügig mit der Suche nach einem neuen Dirigenten beginnen. "Wir haben viel gelernt, als wir vor kurzem gesucht haben, das hilft uns jetzt", betonte Stefan Wäldin. Es gelte, was schon damals gegolten habe: Es müsse mit dem neuen Dirigenten musikalisch, aber auch menschlich stimmen.

 

Artikel von Ruth Seitz aus der Badischen Zeitung vom 26. Juni 2019

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