Himmlische Auszeit

Stehender Applaus für das gemeinsame Kirchenkonzert der Chorvereinigung Amicitia und der Stadtmusik Endingen.

ENDINGEN. Wer spät kam, fand keinen Sitzplatz mehr. Die Kirche St. Peter war brechend voll, als am Sonntag die Sänger der Chorvereinigung Amicitia singend aus dem Kirchenschiff in den Chor einzogen. Unter der Leitung von Izumi Shibata-Wagner und Martin Baumgartner brachten der Chor, die Stadtmusik und beide gemeinsam ein anspruchsvolles Programm mit dem Titel "Halleluja" zu Gehör.

"Amazing Grace", das Traditional, arrangiert von Thomas Wagner, war das erste Lied, das das Konzert eröffnete. Die Sänger der Chorvereinigung Amicitia standen an allen Seiten des Kirchenschiffs, umrahmten so die Besucher und gaben ihren sogleich beeindruckenden Stimmen Raum. Mit 65 Sängern gelang es Chorleiterin Izumi Shibata-Wagner, eine stattliche Anzahl an Sängern für das Konzert zu gewinnen. 40 Sänger stammten aus den eigenen Reihen. Weitere 25 Projektsänger kamen aus der Region, einige beispielsweise vom Bahlinger Männergesangverein Silberbrunnen-Eintracht.

"Den Himmel musikalisch in die Peterskirche bringen", umschrieb Stadtpfarrer Jürgen Schindler in seiner Begrüßung die Wirkung der Musik und fügte an: "Schön, dass sich so viele eine himmlische Auszeit gönnen." Dicht an dicht saßen und standen nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Mitwirkenden, die im Chorraum kaum Platz fanden.

Mit "O Heil’ge Nacht" von Adolphe Adam und "Heil’ge Nacht auf Engelsschwingen" von Friedrich Heinrich Himmel stimmte der Chor auf Weihnachten ein. "Cantate Domino" von Vytautas Miskinis bot einen ersten Höhepunkt des Konzerts, bei dem die große Anzahl der Stimmen hervorragend zur Geltung kam. Freudig-beschwingt erklang danach das "Freue Dich Welt" von Georg Friedrich Händel, das Thomas Wagner arrangierte.

Die Stadtmusik unter der Leitung von Stadtmusikdirektor Martin Baumgartner hatte sich zunächst moderneren Kompositionen gewidmet. Alfred Reeds "Russian Christmas Music" beeindruckte in seiner fordernden Klangvielfalt, die manchmal auch an Kirchenliedmelodien erinnerte. Lieblich und stimmungsvoll präsentierte sich "Redemption" von Rossano Galante, das in einem triumphalen Klangbild endete.

Zu "Salomon" von Ferrer Ferran gab Thomas Wagner eine kurze Einführung. Manche Stücke erklärten sich von selbst, andere bräuchten einleitende Worte, so Wagner. Beruhend auf einer afrikanischen Legende handelt die Geschichte von der Begegnung Salomons mit der Königin von Saba. In monumentaler Tonsprache erzählte das Blasorchester eindrucksvoll von der Liebe, von Schätzen, von Raub und Wiedereroberung der Gesetzestafeln Mose und dem Tempelbau.

Den modernen Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert stellten die Blasmusiker die "Romanze" für Horn und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart gegenüber, das Martin Baumgartner arrangierte. Nur noch ein kleines Bläserensemble verblieb im Chorraum der Kirche und als Solistin war Philine Diethelm am Horn zu hören. Mit dem "Menuett" aus Mozarts bekannter Serenade, auch "Kleine Nachtmusik" genannt, beschloss ein Bläseroktett den Konzertteil der Stadtmusik.

Das große Finale des Kirchenkonzerts bestritten der Chor und ein kleiner Teil des großen Orchesters gemeinsam. Ergreifend und innig ertönte das "Ave Maria" von Gulio Caccini, bevor das dem Konzert den Titel gebende "Halleluja" von Friedrich Georg Händel aus dem Oratorium "Messias" (beides von Baumgartner arrangiert, der auch dirigierte) einen grandiosen Schlusspunkt setzte.

Langanhaltender und stehender Applaus würdigte die herausragende Leistung der Musiker und Sänger im knapp zweistündigen Konzert.

Artikel von Christiane Franz aus der Badischen Zeitung vom 13. Dezember 2017

 

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